Dani

Die Dani leben im Hochland von Papua und besiedeln hier vor allem das Baliem-Tal. Dieses 1700 Meter hohe Tal teilen sich die Dani mit den im Westen des Tals lebenden Lani und den schwer zu erreichenden Yali im Südosten. Die Zahl der Dani wird auf 65.000 geschätzt, in manchen Quellen ist sogar von 200.000 die Rede. Das Tal und seine Bewohner wurde erstmals im Jahr 1938 vom US-Amerikaner Richard Archbold entdeckt und damals noch Grand Valley genannt. Trotz der kühlen Abendtemperaturen war den Dani Kleidung nahezu unbekannt. Die Frauen trugen einfach Röcke aus geflochtenem Gras oder, falls wohlhabend, aus geflochtener Orchideenfaser. Danimänner sind bekannt für ihre Penisrohre, Godeka genannt. Die Alten tragen bis heute nichts anderes, während jüngere Männer die Godeka nur noch zu festlichen Anlässen anziehen und ansonsten westliche Kleidung bevorzugen. Hieraus wird bereits ersichtlich, mit welchem Erlebnis jeder Besucher zu rechnen hat: das Aufeinandertreffen von Steinzeit und Moderne. Dabei ist das Leben der Dani bis heute sehr traditionell. Die meisten von ihnen leben in typischen Siedlungen, Weiler genannt, die in ihrem geschlossenen Aufbau an Befestigungsanlagen erinnern: Ein einfacher Holzzaun umfasst das gesamte Dorf und Zutritt erlangt man über eine kleine Leiter. Am Kopfende jedes Dorfes steht immer das Männerhaus. An den Seiten befinden sich die Familienhütten und das von allen genutzte Kochhaus. Dani sind Meister im Anlegen von Feldern. Auch an steilsten Berghängen bauen sie ihr Gemüse an. Das Tal ist fruchtbar und neben der sehr beliebten Süßkartoffel werden auch Tomaten, Maniok, Avocado, Gurken und vieles mehr angebaut. Schweine haben im Leben der Dani eine überaus wichtige Bedeutung. Nicht umsonst trägt die größte Stadt des Tales, Wamena, mit „Wam“ das Daniwort für „Schwein“ in ihrem Namen. Die Schweine dienen dabei weniger als Nahrung, sondern werden als Tauschobjekte eingesetzt. Durch das regelmäßige Tauschen oder Verschenken zwischen einzelnen Dörfern, Clans oder auch innerhalb der Familie, werden Bande geknüpft und Beziehungen gefestigt. Auch um zu heiraten müssen Danimänner bis heute ihre Ehefrau mit Schweinen von der Brautfamilie auslösen. Die alle paar Jahre stattfindenden Schweinfeste stellen dann auch die Höhepunkte im Leben eines Danis dar. Diese großen Feste erfüllen gleich mehrere Aufgaben: Hochzeiten werden gefeiert, neue Verlobungen bekanntgegeben und Jugendliche in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Neben diesen traditionellen Schweinefesten finden in der heutigen Zeit auch viele kleine Schweinfeste statt. Keine politische Veranstaltung oder größerer Event wird ohne Schweinefest abgehalten und auch für Touristen werden Schweinefeste organisiert.

Der Tourismus im Baliem-Tal ist nicht sonderlich ausgeprägt. Bis heute lässt sich das Tal nur mit dem Flugzeug erreichen. Jedes Stück Stoff, jedes Auto, jeder Tropfen Benzin, einfach alles muss mit dem Flugzeug transportiert werden. Dadurch geht die Entwicklung hin zur Moderne etwas langsamer voran als anderswo. Und auch der Tourismus nimmt nur langsam zu. Eine Tourismusindustrie gibt es nicht. Bis auf ein paar Unterkünfte und Führer ist kaum ein Mensch auf Einkünfte aus dem Tourismus angewiesen oder an solche gewohnt. Auch das trägt sehr zur entspannten und authentischen Atmosphäre bei, die sich das Baliem-Tal bis heute erhalten hat.